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Ein Vogel, flugunfähig, wie der Strauß, war er, menschengroß, bis über 2 Meter hoch - und viel kräftiger gebaut, als es der heutige Strauß ist. Seine Knochen sind in Ablagerungen der Eozän-Zeit in Nordamerika und in verschiedenen Vorkommen in Europa gefunden worden, so zum Beispiel im Geiseltal bei Merseburg (Sachsen-Anhalt), am Mont Berru bei Reims und, in einem Knochen, auch in Messel bei Darmstadt (Hessen). Seinen Namen hat Gastornis nach "Gast(on)" und dem griechischen Wort Ornis (= Vogel) erhalten. Gaston ist der Vorname des französischen Physikers Gaston Planté, der 1855 in einem Vorort von Paris die ersten Knochen des Riesenvogels entdeckt hat.
Bei Gondwana steht Gastornis in der tertiären Messel-Landschaft im Urwald rechts des Weges in der Nähe der Urpferdchen, die scheinbar vor ihm fliehen. "Terrorvogel" oder "Pferdchenfresser" ist er genannt worden - weil man ursprünglich davon ausging, dass der Riesenvogel sehr schnell, wendig, und ein aggressiver Räuber war, der in den dichten Urwäldern der Eozän-Zeit Jagd auf Urperdchen und andere Waldbewohner machte. Von dieser Vorstellung ist man heute oft abgerückt. Gastornis, so groß, gewaltig und brutal er auch aussieht, wird nun oft als ein behäbiges Tier gesehen, das sich auf pflanzliche Nahrung spezialisiert hatte. Die "Angst" unserer Urpferdchen im Messel-Urwald ist also eventuell unbegründet. Ein eindrucksvolles Tier bleibt er trotzdem. Einen "verkannten Terrorvogel" nennt der Wissenschaftsautor Ernst Probst ihn deshalb in seinem Buch über Gastornis. Einen anderen, ebenfalls riesigen "Terrorvogel", namens Phorusrhacos, beschreibt Ernst Probst in einem neueren Buch. Dieser Vogel stammt aber aus einer späteren Zeit (dem Miozän) und aus Südamerika (Patagonien) - hat mit Gastornis verwandtschaftlich nichts zu tun.
Wenn man sich Gastornis ansieht, mag man es kaum glauben, aber der Riesenvogel gehört zu den Hühner- und Gänsevogeln. Neben Knochen sind von Gastornis Eier, Trittspuren und sogar Federreste bekannt geworden. Erste Funde von Riesenvögeln aus der gleichen Zeit wurden schon um 1876 durch den aus der Dinosaurierforschung bekannten Edward Drinker Cope in Nordamerika gemacht und unter dem Namen Diatryma beschrieben. Später erkannte man, dass die nordamerikanischen Funde mit denen von Gastornis aus Europa artgleich waren und zog den Namen Diatryma zugunsten von Gastornis ein.

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